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Schauen Sie doch mal wieder aus Ihrem Fenster

Sobald das Wetter draußen wieder einigermaßen freundlich wird und die Temperaturen dazu verleiten, die leichten Sommerklamotten aus dem Keller zu holen und offene Schuhe zu tragen ohne Socken und Strumpfhosen, stehen bei mir in allen Zimmern die Fenster weit geöffnet. So kriege ich mit, was auf der einen Seite auf der Strasse passiert und auf der anderen im Hof.

Meine süße kleine Glückskatze Morle ist immer als erste auf dem Fensterbrett und beobachtet wie die Vögel auf den Bäumen sitzen und vor sich hin trällern. Ich hänge meinen großen Plüschhund Anni über die Reling und kann mich auf ihm bequem hinfläzen. Dann zünde ich mir eine feine Zigarette an und lehne mich aus dem Fenster. Ich beobachte den Himmel im Westen und kann so entscheiden, ob ich ohne Regenschirm aus dem Haus gehen kann. Dann sehe ich die schönen Büsche und Bäume, die in dem kleinen lauschigen Garten wachsen. Hier tummeln sich außer Amseln, Tauben und Spatzen auch Finken und Elstern. So manche Katze aus der Nachbarschaft kommt bei mir auf eine Stippvisite und meine Morle verrenkt sich nach ihnen den Hals.

Ich lehne am Fensterbrett und wenn ein Nachbar vorbei kommt halten wir ein Schwätzchen “Wie gehts dir heute? Was gibt es Neues? Was machst du so?” So bleib ich immer auf dem Laufenden über meine Nachbarschaft. Aus dem Nordfenster sehe ich hinunter auf die Strasse, die zum Glück nicht so stark
befahren ist. Ich kann beobachten, wie die Leute sich mehr oder weniger schwer tun bei dem Versuch, ihr Auto einzuparken. Manchmal fragen die Leute, ob sie hier parken können und da muss ich ihnen leider sagen, dass der Bereich nur für Einwohner mit einer Lizenz freigegeben ist. Da sind sie natürlich enttäuscht und wollen noch wissen, wie oft hier kontrolliert wird. Da muss ich leider passen, ich verbringe schließlich nicht den ganzen Tag damit, aus dem Fenster zu gucken. Mir ist diese Beschäftigung häufig viel lieber als in die stupide Flimmerglotze zu schauen.

Wenn es an der Tür läutet benutze ich nicht mehr das Haustelefon, sondern schauen mal schnell aus dem Fenster und kann so direkt fragen, um was es sich handelt. So kann ich die Päckchen für die Nachbarin entgegen nehmen und die gute Beziehung wird wieder zwischen uns gefestigt. So vergeht der Sommer und wenn der Herbst und Winter sich ankündigen werden die Fenster geschlossen bleiben bis zum nächsten Jahr.

ISAKI – alle Rechte vorbehalten.

Schauen Sie doch mal wieder aus Ihrem Fenster

Die Katze Sophie

Meine kleine Sophie ist im Laufe des vergangenen Jahres erwachsen geworden. Im Mai 2009 hat sie ihren ersten Geburtstag gefeiert. Sie ist zu einer schlanken und flinken Jägerin geworden. Ich nehme an, dass sie jetzt ausgewachsen ist. Pünktlich zum Geburtstag wurde sie zum ersten Mal läufig; sie war sehr anhänglich und wollte häufig schmusen. Selbstverständlich hat sie auch ihren Lockruf, der herzzerreißend klingt, vornehmlich in der Nacht ausgestoßen. Aber es ist kein Kater weit und breit zu finden, der bereit wäre, sie zu decken. Was für mich besser ist, weil ich mir in meiner relativ kleinen Wohnung nicht vorstellen kann, den dann kommenden Nachwuchs großzuziehen. Sie war in dieser Zeit gerne unten in meinem Hinterhof, der sich zu einem wunderschönen Garten mit vielen Bäumen und Pflanzen entwickelt hat. Was mich allerdings erstaunt hat, war die Tatsache, dass diese Läufigkeit in Wellen kam und mehrere Tage nichts zu merken war. Sie zog sich über mehr als einen Monat hin. Sophie hatte im Moment der Läufigkeit ein Gesicht gemacht, als ob sie nicht verstehen würde, was mit ihr passiert. Armes Tier – von Natur so eingerichtet, für Nachwuchs zweimal im Jahr zu sorgen – war sie von ihren Gefühlen richtig gebeutelt. Leider ist in unseren Großstädten so gut wie jede Katze sterilisiert und der Katzennachwuchs stellt sich nicht so häufig ein. Auf dem Land sieht das alles anders aus. In südlichen Ländern ist es auch ganz anders. Ich kenne zum Beispiel aus Athen, dass auf jeder Strasse herrenlose Katzen leben. Sie werden aber immer von den Anwohnern gefüttert und haben keine Scheu vor Menschen. Dort sieht man zweimal im Jahr kleine Kätzchen zwischen den Autos oder in den Grünanlagen rumstreunen. Häufig haben diese Katzen sogar Namen, sie gehören einfach in die Nachbarschaft wie die Menschen.

Nun Sophie hat bis jetzt nur einmal eine andere Katze gesehen: ihre eigene Mutter ist bei uns in den Garten zu Besuch vorbeigekommen. Diese Begegnung hat gezeigt, dass wenn die Kätzchen im Alter von zum Beispiel zwei Monaten von der Mutter getrennt werden, diese sie dann nach einer gewissen Zeit überhaupt nicht mehr als ihr Fleisch und Blut erkennt. Es wurde von beiden Seiten gedroht und gefaucht, aber durch mein beherztes Eingreifen ist es zu keiner Rauferei gekommen. Das war also die einzige Katze, die Sophie bisher kennen gelernt hatte. Schade eigentlich, weil Katzen sich gerne in Gesellschaft anderer Artgenossen aufhalten, sie schmiegen sich aneinander und schlafen gemeinsam oder sie schmusen sich gegenseitig ab. Ich als persönlicher Dosenöffner übernehme nun diese Aufgabe: wir schmusen so oft es geht. Selbstverständlich schläft die Sophie mit mir im Bett, sie legt sich auf meine Füße oder in die Kniekehlen und schläft angekuschelt ein. Das Bett kann noch so schmal sein, eine Katze findet immer Platz für sich.
In letzter Zeit hat Sophie eine neue Marotte entwickelt.

In der Nacht, wenn alles schläft, schleicht sie sich in die Küche. Sie hat gelernt, wie ihr Futter in Beuteln aussieht und wo es liegt. Sie bedient sich dann alleine, sucht sich einen Beutel aus und bearbeitet ihn solange, bis sie an den Inhalt herankommt. Am Morgen finde ich dann in der Wohnung den aufgerissenen Beutel meist mit den Resten, die sie nicht mehr erreichen konnte. Inzwischen habe ich ihr Futter an einem unzugänglichen verschlossenen Platz verstaut. Sie soll nicht rund und fett werden, wie so viele Hauskatzen.
Sophie hat sich als kleines Kätzchen gerne unter den Möbeln versteckt. Heute passt sie da gar nicht mehr rein, sie hat aber auch interessantere Orte entdeckt. Da wären zum Beispiel die hohen Schränke in der Küche. Sie hat ein Klettersystem quasi eine Treppe entdeckt und dann spaziert sie in 2 Metern Höhe bis zum Schrank über den Kühlschrank, da lässt sie sich dann nieder und betrachtet alles aus sicherer Höhe. Gerne klettert sie auch auf das Bücherregal und sucht nach Mücken und Faltern an der Decke.
Sie hat sich wirklich prächtig entwickelt und hat die Menschensprache ganz gut gelernt.

(c) 9.2009 gr.